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Augsburger Ärzte helfen kleiner Christin aus Ägypten

Erschienen in der Augsburger Allgemeinen, Nr. 85 am 12. April 2011

Die neunjährige Rozane aus Alexandria wurde am Neujahrsmorgen Opfer eines schweren Attentats. jetzt behandelt das Krankenhaus sie kostenlos

VON FALKO BRANNER

news1Die Leidenszeit der kleinen Rozane Maher beginnt am ersten Tag des Jahres. Im ägyptischen Alexandria verlassen sie und ihre Familie am Neujahrsmorgen mit vielen anderen koptischen Christen nach dem Gottesdienst ihre Kirche. Dann plötzlich eine laute Explosion, überall Feuer, schwarze Rauchschwaden steigen auf. Ein Selbstmord - Attentäter hat sich mit seinem Auto vor der Kirche in die Luft gesprengt. Es ist wieder ein Anschlag auf Christen in Ägypten. Die schreckliche Bilanz dieses Mal: 23 Menschen haben ihr Leben verloren, über 170 sind schwer verletzt. Darunter auch die neunjährige Rozane. Teile von Zehen müssen bei ihr amputiert werden. Granatsplitter stecken im Bein der Neunjährigen. Außerdem ist das Mädchen nach dem Attentat fast taub, weil durch den lauten Knall beide Trommelfelle gerissen sind.

Bischof stellt Kontakt zum Krankenhaus her

Wie viele Menschen in Ägypten ist auch die Familie Maher arm, kann sich die teure Behandlung ihrer Tochter nicht leisten. Doch dann geschieht ein kleines Wunder: Der Bischof der koptischen Kirche in Deutschland, Anba Damian, erfahrt vom Schicksal Rozanes und bietet seine Hilfe an. Er ist es, der den Kontakt zum Vincentinum in Augsburg knüpft.
Und auch dort wollen alle sofort helfen. Der Orthopäde Dr. Chaled El Masry und die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Kathrin Reichert sowie der Anästhesist Dr. Bernhard Pfann erklären sich bereit, Rozane kostenlos zu behandeln. Seit zwei Wochen ist die Neunjährige nun mit ihrem Vater Hanna Maher in Augsburg, die Behandlungen sind zum Großteil erfolgreich verlaufen. So konnten in einer komplizierten Operation die Trommelfelle des Mädchens mit Haut aus dem Gehörgang rekonstruiert werden. Stützende Einlagen in ihren Schuhen sollen beim Heilungsprozess der verletzten Füße helfen. Nachdem Rozane bis vor kurzem noch auf einen Rollstuhl angewiesen war, kann sie jetzt schon wieder für einige Minuten auf eigenen Beinen stehen. Alle Kosten für Pflege und Unterkunft des Mädchens übernimmt übrigens der Förderverein der Klinik, der sich sehr über weitere Spenden freuen würde. Rozane ist überglücklich, dass ihr die Ärzte im fernen Deutschland helfen. Und bedankt sich dafür aufrührende. Art: Dr. El Masry, der selbst Agypter ist, bekommt von der Kleinen jeden Tagals Dankeschön eine Tafel Schokolade geschenkt. Am liebsten wäre Rozane aber natürlich daheim bei ihrer Mutter, die in Alexandria geblieben ist. Denn das Heimweh plagt sie. Täglich telefoniert sie über das Internet mit ihrer Familie. Sie freut sich sehr, dass es bereits am Mittwoch für sie wieder zurück in die Heimat geht. Ein Tag bleibt ihr also noch, sich im Vincentinum zu erholen. Zumindest körperlich.

Im Herbst geht die Behandlung weiter

Wie lange es dauern wird, bis die Narben ihrer Seele verheilt sind, ist dagegen unklar. ,,Die Zeit muss die Wunden an ihrer Seele heilen. Weil A sie aber noch so jungeist, stehen die Chancen gut, dass sie das Erlebte auch verarbeiten kann", sagt Dr. El Masry. Ein Wiedersehen mit Augsburg wird es für Rozane auf jeden Fall geben. Schon im Herbst wird sie wieder für Untersuchungen ins Vincentinum kommen, diesmal dann in Begleitung ihrer Mutter. Zum Abschied sagt Rozans Vater noch einige Worte, die er in den vergangenen zwei Wochen auf Deutsch gelernt hat: ,,Rozane und ihre Familie sagen Dankeschön, Dankeschön!"

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